Zum Hauptinhalt springen

Die Narzisse ist verblüht. Die Dynamik dahinter oft nicht.

Heute ist Weltaktionstag gegen narzisstischen Missbrauch.

Ein Tag, der auf etwas aufmerksam macht, das viele Menschen erleben, aber oft nur schwer benennen können.

Wenn über Narzissmus gesprochen wird, denken viele zunächst an offensichtliche Verhaltensweisen: Dominanz, Rücksichtslosigkeit oder offene Selbstbezogenheit. Solche Muster sind belastend, aber meist erkennbar.

Komplexer wird es dort, wo Narzissmus verdeckt auftritt. Nach außen wirken Menschen oft charmant, kompetent und zugewandt. Hinter verschlossenen Türen entstehen jedoch Dynamiken, die das Selbstvertrauen anderer systematisch untergraben: Schuldumkehr, emotionale Entwertung, subtiler Entzug von Nähe und Anerkennung.

Psychische Gewalt braucht keine laute Stimme. Sie wirkt durch Wiederholung.

Sie beginnt mit einem Gefühl. Mit einem Satz, der Zweifel sät. Mit einer Reaktion, die verunsichert. Mit einem Muster, das sich so oft wiederholt, bis die eigene Wahrnehmung infrage gestellt wird.

Dazwischen liegen Momente von Nähe, Wärme und Verbundenheit. Genau das macht diese Dynamiken so schwer erkennbar.

Irgendwann tauchen Fragen auf: „Übertreibe ich?“ „Bin ich zu empfindlich?“ „Ist das wirklich so problematisch?“

Was von außen unsichtbar ist, kann dennoch tiefe Spuren hinterlassen.

Und manchmal liegt die wichtigste Erkenntnis nicht in der anderen Person, sondern in dem, was die eigene Wahrnehmung längst wusste.